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Stromnetzentgelte 2027: Leistungskomponente laut E-Control-Entwurf, ab Jänner 2027. Wer zahlt mehr, wer spart – und wie Sie den Energiepreis jetzt optimieren.

Von CheckEverything.at Redaktion26. Juli 202610 Min. LesezeitAktualisiert am 26. Juli 2026

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Ab 1. Jänner 2027 will E-Control laut Begutachtungsentwurf einen Teil der Stromnetzentgelte an die tatsächliche Spitzenleistung statt nur an den Verbrauch koppeln. Wer viel Leistung gleichzeitig zieht – etwa beim Schnellladen des E-Autos – zahlt tendenziell mehr; wer seinen Verbrauch verteilt, kann sparen. Wichtig: Die konkrete Tarifstruktur ist Stand Juli 2026 noch ein Entwurf, keine beschlossene Verordnung.

Was hier schon feststeht und was noch offen ist, welches Nutzungsprofil künftig mehr oder weniger zahlt, und was Sie als Haushalt schon jetzt vorbereiten können, lesen Sie im Folgenden. Die aktuell gültigen Netzentgelte 2026 nach Bundesland behandeln wir separat in unserem Netzkosten-Ratgeber 2026 – hier geht es ausschließlich um die geplante Strukturreform ab 2027.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neue Leistungskomponente ab 1.1.2027 laut E-Control-Begutachtungsentwurf (SNE-G-V) – Begutachtung endete 24.7.2026, finale Verordnung bis Oktober 2026 angekündigt.
  • Ziel laut Entwurf: rund 50 % Arbeitspreis / 50 % Leistungspreis, abgerechnet nach der höchsten Viertelstunden-Leistung im Monat.
  • Zweistufiger Tarif ab 10 kW auf Netzebene 7 (Haushaltsanschlüsse) geplant.
  • Zeitfenster-Rabatte SNAP/WiNAP sollen gezieltes Lastverschieben belohnen.
  • Politisch umstritten: Niederösterreich und Burgenland fordern eine Überarbeitung des Entwurfs (Stand 24.7.2026).

Was ändert sich bei den Stromnetzentgelten 2027?

Zwei Rechtsebenen sind hier auseinanderzuhalten, weil sie oft vermischt werden.

Bereits geltendes Recht: Das ElWG (im Volksmund "Günstiger-Strom-Gesetz") wurde am 11.12.2025 vom Nationalrat und am 17.12.2025 vom Bundesrat beschlossen, kundgemacht als BGBl. I Nr. 91/2025, und ist seit 24.12.2025 mit gestaffelten Übergangsbestimmungen in Kraft. Es bildet die gesetzliche Grundlage für die neue Netzentgelt-Struktur, legt die konkrete Tarifmechanik aber nicht selbst fest. Aus demselben Gesetzespaket bereits umgesetzt: der Sozialtarif ab April 2026 (siehe unseren Ratgeber zum Sozialtarif Strom) und eine Preissenkungs-Garantie ab Jänner 2026.

Noch Entwurf, nicht in Kraft: Die konkrete Tarifstruktur ab 2027 soll über die Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung (SNE-G-V) von E-Control geregelt werden. Stand 26. Juli 2026 handelt es sich um einen Begutachtungsentwurf, veröffentlicht Ende Juni 2026. Die Begutachtungsfrist endete am 24. Juli 2026 – also vor zwei Tagen. Laut E-Control-Zeitplan soll die finale Verordnung bis Oktober 2026 vorliegen, mit Anwendung ab 1. Jänner 2027. Beides ist eine Ankündigung, kein Beschluss – die finale Fassung kann von den folgenden Eckpunkten abweichen.

Wie funktioniert die geplante Leistungskomponente?

Heute wird der überwiegende Teil des Netzentgelts nach Verbrauch (Arbeitspreis in ct/kWh) verrechnet. Laut Entwurf soll sich das Verhältnis deutlich verschieben:

  • Ziel-Split: rund 50 % Arbeitskomponente (ct/kWh) und 50 % Leistungskomponente (€/kW/Jahr) über alle Netzebenen hinweg.
  • Zweistufiger Leistungspreis auf Netzebene 7 (das ist die Ebene der normalen Haushaltsanschlüsse): ein niedrigerer Satz bis 10 kW Anschlussleistung, ein höherer Satz darüber. Die Schwelle wurde im Begutachtungsprozess bereits von 8 kW auf 10 kW angehoben.
  • Abrechnungsbasis: der höchste Viertelstunden-Leistungswert, den Ihr Haushalt in einem Monat zieht – das setzt einen Smart Meter faktisch voraus.
  • Zeitfenster-Rabatte auf den Arbeitspreis: SNAP (April bis September, 10 bis 16 Uhr) und WiNAP (Oktober bis März, 22 bis 4 Uhr), österreichweit einheitlich geplant.

Konkret heißt das laut Entwurf: Nicht mehr nur, wie viel Strom Sie verbrauchen, sondern auch, wie stark gebündelt Sie ihn beziehen, würde künftig Ihre Netzkosten beeinflussen. Ein Praxisbeispiel dazu (Quelle: Forum Versorgungssicherheit / Netz Niederösterreich, Pressebriefing 17.4.2026, via ots.at): Ein E-Auto, das über mehrere Stunden mit 5 kW über Nacht lädt, verursacht dieselbe Energiemenge wie eine Schnellladung mit 25 kW in zwei Stunden – aber eine deutlich niedrigere Spitzenleistung, und würde damit nach dem Entwurf günstiger abschneiden.

Was die Leistungskomponente ausdrücklich nicht betrifft: private Heimspeicher. Der Entwurf sieht eine Netzentgelt-Befreiung für "systemdienliche" Großspeicher ab 1 MW Mindestgröße vor, gedeckelt auf 5 GW österreichweit – das liegt weit über der Größenordnung eines Eigenheim-Batteriespeichers.

Wer zahlt 2027 mehr, wer spart?

Die folgende Einordnung basiert auf den geplanten Eckpunkten des Entwurfs, nicht auf einer beschlossenen Verordnung. Sie zeigt die Tendenz, keine exakten Beträge.

| Nutzungsprofil | Tendenz laut Entwurf | Warum | |---|---|---| | E-Auto, Schnellladen tagsüber | zahlt tendenziell mehr | hohe Spitzenleistung (z. B. 25 kW) treibt die Leistungskomponente | | E-Auto, langsames Nachtladen | tendenziell neutral bis günstiger | niedrige Spitzenleistung über längere Zeit, ggf. im WiNAP-Fenster | | Wärmepumpe ohne Lastmanagement | zahlt tendenziell mehr | hoher gleichzeitiger Leistungsbezug bei Kälte | | Wärmepumpe mit Smart-Steuerung/Pufferspeicher | kann sparen | Lastspitzen werden geglättet | | Haushalt mit PV und Eigenverbrauch, ohne Großspeicher | weitgehend unverändert | die 1-MW-Speicherausnahme betrifft Haushalte nicht | | Einspeiser über 20 kW (Gewerbe/Landwirtschaft) | neue Zusatzkosten möglich | geplanter Versorgungsinfrastrukturbeitrag (VIB) |

Ergänzend geplant: eine neue Netzanschlussentgelt-Pauschale (NAE) sowie ein Versorgungsinfrastrukturbeitrag (VIB) für Einspeiser über 20 kW, laut Entwurf gedeckelt auf 0,05 ct/kWh.

Zu illustrativen Beispielrechnungen, die derzeit online kursieren (unter anderem 4,53 ct/kWh Arbeitskomponente und 33,82 €/kW/Jahr Leistungskomponente bis 10 kW): Diese Zahlen stammen aus einer Drittanbieter-Branchenanalyse, nicht aus dem geprüften amtlichen E-Control-Dokument. Wir geben sie hier bewusst nicht als gesicherte Werte wieder, solange die amtliche Verordnung nicht vorliegt.

Was bedeutet das für Wärmepumpe und E-Auto-Ladung?

Beide Gerätegruppen sind laut Entwurf die Hauptbetroffenen, weil sie hohe Momentanleistung ziehen können.

Wärmepumpe: An kalten Tagen läuft der Kompressor oft gleichzeitig mit anderen Großverbrauchern (Warmwasser, Backofen, E-Auto). Genau diese Gleichzeitigkeit erzeugt die Spitzenlast, die künftig stärker verrechnet würde. Eine Wärmepumpen-Steuerung mit Pufferspeicher, die den Betrieb zeitlich entzerrt, würde diesen Effekt dämpfen.

E-Auto-Ladung: Der Unterschied zwischen einer 11-kW-Wallbox über Nacht und einer 22-kW- oder DC-Schnellladung tagsüber könnte nach der Logik des Entwurfs finanziell spürbarer werden. Wer sein Ladeverhalten ohnehin in die Nacht oder in die geplanten WiNAP-Fenster (Oktober bis März, 22 bis 4 Uhr) legen kann, wäre nach heutigem Entwurfsstand im Vorteil.

Wer die eigene Lastverschiebung konsequent nutzen will, kann das mit einem dynamischen Stromtarif kombinieren, der Strom in verbrauchsarmen Nachtstunden ohnehin günstiger macht. Unser Ratgeber zu dynamischen Stromtarifen in Österreich zeigt, für wen sich das lohnt.

Praktische Tipps: Lastverschiebung schon jetzt vorbereiten

Auch ohne beschlossene Verordnung lohnen sich diese Schritte schon heute, weil sie unabhängig vom Ausgang der Verordnung Netzkosten und Energiepreis senken:

  • Smart Meter aktiv nutzen: Prüfen Sie in der Web-Ansicht Ihres Netzbetreibers, wann Ihre persönlichen Verbrauchsspitzen liegen. Das ist die Datenbasis, die künftig relevant würde.
  • Ladezeiten entzerren: E-Auto und Wärmepumpe möglichst nicht gleichzeitig mit Herd, Trockner oder Sauna laufen lassen – schont schon heute die Haussicherung, künftig eventuell auch die Rechnung.
  • Wallbox-Leistung drosseln, wenn möglich: Viele Wallboxen erlauben eine Ladeleistungs-Begrenzung. Eine langsamere, aber gleichmäßigere Ladung senkt die Spitzenleistung, ohne den Ladevorgang wesentlich zu verlängern.
  • Wärmepumpen-Puffer prüfen: Ein ausreichend dimensionierter Pufferspeicher erlaubt es der Wärmepumpe, außerhalb von Lastspitzen zu takten.
  • Energiepreis jetzt optimieren: Die Netzentgelte sind reguliert und fix – der Energiepreis dagegen ist der frei verhandelbare Teil Ihrer Stromrechnung, unabhängig davon, wie die 2027er-Verordnung am Ende aussieht.

Die Netzentgelte sind fix und werden 2027 neu geregelt – der Energiepreis dagegen ist der Teil Ihrer Rechnung, den Sie selbst in der Hand haben. Prüfen Sie jetzt, ob ein günstigerer Stromanbieter die kommende Mehrbelastung abfedern kann: Stromtarife bei durchblicker.at prüfen (Anzeige), unverbindlich und kostenlos.

Was ist an der Reform umstritten?

Der Entwurf ist politisch nicht unumstritten. Die Landeshauptleute von Niederösterreich und Burgenland haben öffentlich eine grundlegende Überarbeitung gefordert (Quelle: energynewsmagazine.at, Stand 24.7.2026). Kritikpunkte: zusätzliche bürokratische Hürden, mögliche Investitionsverzögerungen und eine befürchtete Bremswirkung auf den Ausbau von Batteriespeichern. Auch die Wiener Stadtwerke haben in einer eigenen Stellungnahme zur geplanten Struktur Position bezogen und Nachschärfungsbedarf bei der Definition "systemdienlicher" Speicher angemeldet.

Offen ist derzeit unter anderem: die exakte Höhe der beiden Leistungspreis-Stufen, die endgültige Ausgestaltung von NAE und VIB, und ob die Kritik der Bundesländer noch zu Anpassungen vor der finalen Verordnung führt. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald E-Control die finale SNE-G-V veröffentlicht.

Eine ähnliche regulierte Netzentgelt-Dynamik gibt es übrigens auch beim Gas: Auch dort steigen die Netzkosten jährlich per E-Control-Verordnung, unabhängig vom gewählten Anbieter. Details dazu in unserem Ratgeber zu den Gasnetzentgelten 2026.

Häufig gestellte Fragen zu den Stromnetzentgelten 2027

Häufig gestellte Fragen

Ist die neue Leistungskomponente ab 2027 schon beschlossen?

Nein. Stand Juli 2026 liegt nur ein Begutachtungsentwurf von E-Control vor (SNE-G-V), dessen Begutachtungsfrist am 24. Juli 2026 endete. Die finale Verordnung wird laut E-Control-Zeitplan bis Oktober 2026 erwartet, mit geplanter Anwendung ab 1. Jänner 2027. Bis dahin können sich Details noch ändern.

Was ist der Unterschied zwischen ElWG und SNE-G-V?

Das ElWG (BGBl. I Nr. 91/2025) ist bereits seit 24. Dezember 2025 geltendes Recht und bildet die gesetzliche Grundlage für die Netzentgelt-Reform. Die konkrete Tarifmechanik – also die eigentliche Leistungskomponente – regelt eine nachgelagerte Verordnung, die SNE-G-V, die sich Stand Juli 2026 noch im Begutachtungsentwurf befindet.

Wer zahlt durch die neue Leistungskomponente mehr?

Laut Entwurf tendenziell Haushalte mit hoher gleichzeitiger Spitzenleistung, etwa beim Schnellladen des E-Autos tagsüber oder bei Wärmepumpen ohne Lastmanagement. Wer seinen Verbrauch zeitlich verteilt oder in die geplanten Zeitfenster SNAP/WiNAP verlegt, könnte tendenziell profitieren.

Betrifft die Leistungskomponente auch meinen privaten Batteriespeicher?

Nein. Die im Entwurf vorgesehene Netzentgelt-Befreiung für Großspeicher gilt erst ab 1 Megawatt Mindestgröße und ist auf 5 Gigawatt österreichweit gedeckelt. Ein haushaltsüblicher Heimspeicher liegt weit unter dieser Schwelle und ist von dieser Sonderregel nicht betroffen.

Was bedeuten SNAP und WiNAP?

SNAP und WiNAP sind laut Entwurf geplante Zeitfenster-Rabatte auf den Arbeitspreis: SNAP für die Sommermonate April bis September zwischen 10 und 16 Uhr, WiNAP für die Wintermonate Oktober bis März zwischen 22 und 4 Uhr. Wer seinen Verbrauch in diese Fenster verlegt, soll dafür einen Preisvorteil erhalten.

Kann ich durch einen Anbieterwechsel die neuen Netzentgelte umgehen?

Nein. Netzentgelte sind an das Netzgebiet Ihres Wohnsitzes gekoppelt, nicht an den Stromlieferanten. Ein Anbieterwechsel senkt ausschließlich den Energiepreis-Anteil Ihrer Rechnung, nicht die regulierten Netzkosten.

Warum ist der Entwurf politisch umstritten?

Die Landeshauptleute von Niederösterreich und Burgenland fordern eine Überarbeitung, weil sie zusätzliche Hürden, Investitionsverzögerungen und eine Bremswirkung auf den Ausbau von Batteriespeichern befürchten (Stand 24. Juli 2026). Ob dies noch zu Änderungen an der finalen Verordnung führt, ist offen.

Wo finde ich die aktuell gültigen Stromnetzentgelte für 2026?

Die für 2026 bereits geltenden Netzentgelte nach Bundesland, basierend auf der SNE-V 2018 (Novelle 2026), haben wir in unserem separaten Ratgeber zu den Stromnetzkosten 2026 zusammengefasst – dort finden Sie die aktuelle Bundesland-Tabelle.

Fazit

Die Stromnetzentgelte 2027 stehen vor einer grundlegenden Strukturreform: weg vom reinen Verbrauchspreis, hin zu einer Komponente, die auch die Spitzenleistung berücksichtigt. Fest steht die gesetzliche Grundlage im ElWG, offen ist die konkrete Ausgestaltung über die SNE-G-V, deren Begutachtung erst vor zwei Tagen endete. Für Haushalte mit E-Auto oder Wärmepumpe lohnt es sich schon jetzt, das eigene Lastprofil im Blick zu behalten – unabhängig vom Ausgang der Verordnung bleibt der Energiepreis der Teil der Rechnung, den Sie selbst beeinflussen können.

Stand: 26. Juli 2026. Die dargestellte Tarifstruktur basiert auf dem E-Control-Begutachtungsentwurf zur SNE-G-V; die finale Verordnung kann davon abweichen. Wir aktualisieren diesen Artikel nach Veröffentlichung der endgültigen Fassung.

Quellen

C

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Stand der Informationen: 26. Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Änderungen und Irrtümer vorbehalten.