Ärztin im Gespräch mit Patientin in einem österreichischen Spital
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Private Krankenversicherung in Österreich

Sonderklasse, Wahlarzt und Zahnzusatz: Der Ratgeber 2026

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Worum es in diesem Ratgeber geht

Die gesetzliche Sozialversicherung deckt in Österreich die medizinische Grundversorgung ab. Wer kürzere Wartezeiten, freie Arzt- und Spitalswahl oder ein Einbettzimmer will, stößt aber schnell an deren Grenzen. Genau hier greift die private Krankenversicherung, oft schlicht Zusatzversicherung genannt.

In diesem Ratgeber erklären wir, wie sie funktioniert, welche Leistungen eine Sonderklasse-, Wahlarzt- und Privatarzt-Polizze wirklich bringt, mit welchen monatlichen Beiträgen Sie realistisch rechnen müssen und für wen sich ein Abschluss lohnt. Wir sind ein unabhängiges Ratgeberportal und betreiben selbst keinen Tarifrechner. Den Rechner finden Sie bei unserem Partner durchblicker.at (Werbehinweis siehe oben).

  • Privat ergänzt die Pflichtversicherung, ersetzt sie nicht.
  • Einbettzimmer, Wahlarzt-Erstattung und Zahnleistungen sind die häufigsten Bausteine.
  • Die Prämie hängt stark von Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Selbstbehalt ab.

Gesetzliche und private Krankenversicherung im Überblick

Die ÖGK, BVAEB und SVS decken das medizinisch Notwendige ab. Eine Zusatzversicherung setzt oben drauf. So unterscheiden sich die beiden Welten in der Praxis:

Gesetzliche Versicherung (ÖGK, BVAEB, SVS)

  • Pflichtversicherung, automatisch mit Beschäftigung oder Selbstständigkeit verbunden
  • Grundversorgung bei Kassenärzten und öffentlichen Spitälern
  • Mehrbettzimmer bei stationärem Aufenthalt
  • Termine bei Fachärzten oft mit Wartezeit
  • E-Card-System, Selbstbehalte nur bei SVS und bestimmten Leistungen

Private Zusatzversicherung

  • Freiwilliger Abschluss, jederzeit kündbar laut Polizzenbedingungen
  • Sonderklasse: Einbettzimmer und freie Spitalswahl
  • Wahlarzt-Honorar zu einem höheren Prozentsatz gedeckt
  • Kürzere Wartezeiten, oft direkte Terminvereinbarung
  • Zusatzbausteine für Zahn, Optik oder Alternativmedizin möglich

Eine Zusatzversicherung ist kein Ersatz für die Pflichtversicherung. Sie ist eine Ergänzung für Menschen, die sich mehr Komfort, schnelleren Zugang oder eine breitere Leistungsbasis wünschen.

Welche Arten der privaten Krankenversicherung gibt es?

Die österreichischen Versicherer bieten im Kern drei Bausteine an. Die meisten Polizzen kombinieren zwei oder drei davon:

Sonderklasse im Spital

Deckt das Einbettzimmer, die freie Wahl des Spitals und die Behandlung durch den Primar- oder Oberarzt im stationären Bereich.

  • Einbett- oder Zweibettzimmer statt Allgemeinklasse
  • Österreichweite Spitalswahl, oft auch europaweit
  • Mit oder ohne Selbstbehalt wählbar
Mehr zu Sonderklasse mit oder ohne Selbstbehalt

Wahlarzt- und Privatarzt-Polizze

Erstattet Honorare für Ärztinnen und Ärzte ohne Kassenvertrag. Der Zugang zu Fachärzten wird schneller, die Restkosten nach ÖGK-Erstattung werden kleiner.

  • Meist 75 bis 100 Prozent des Kassentarifs zusätzlich zur ÖGK-Rückerstattung
  • Oft inklusive Ambulanz, Psychotherapie, Ergotherapie und Heilbehelfen
  • Bei manchen Tarifen weltweiter Schutz im Auslandsaufenthalt
Wahlarzt ÖGK-Rückerstattung: Was wirklich zurückkommt

Zusatzbausteine

Ergänzende Leistungen wie Zahnersatz, Sehbehelfe, Kur und Rehabilitation oder Alternativmedizin. Meist buchbar als Module zur Haupt-Polizze.

  • Zahn: Zuschuss zu Zahnersatz, Kieferorthopädie, Prophylaxe
  • Psychotherapie und Psychologie jenseits der ÖGK-Zuschüsse
  • Auslandsreise-Krankenschutz mit Rücktransport
Psychotherapie-Zusatzversicherung im Detail

Was kostet eine private Krankenversicherung in Österreich?

Eine seriöse Pauschalaussage ist unmöglich. Beiträge hängen an Einstiegsalter, Gesundheitsfragen, Selbstbehalt und Leistungsumfang. Die folgenden Richtwerte stammen aus öffentlich zugänglichen Tarifrechnern von durchblicker.at und der VKI-Marktanalyse und sind als grobe Orientierung zu verstehen:

EinstiegsalterNur Sonderklasse (ohne Selbstbehalt)Sonderklasse + WahlarztVollpaket mit Zahn
0 bis 5 Jahreab ~20 €/Monatab ~35 €/Monatab ~55 €/Monat
25 Jahreab ~55 €/Monatab ~85 €/Monatab ~130 €/Monat
40 Jahreab ~90 €/Monatab ~140 €/Monatab ~210 €/Monat
55 Jahreab ~170 €/Monatab ~260 €/Monatab ~380 €/Monat

Die konkrete Prämie erhalten Sie erst nach einer individuellen Risikoprüfung durch den Versicherer. Preise vom April 2026, Änderungen jederzeit möglich.

Kostenübersicht nach Alter und Tarif

Sonderklasse, Wahlarzt oder beides: Welche Lösung passt?

Welche Polizze für Sie sinnvoll ist, hängt davon ab, wo Sie den größten Nutzen erwarten. Die drei typischen Profile:

Sie planen selten stationäre Aufenthalte, wollen aber schneller zum Facharzt

Wahlarzt- oder Privatarzt-Polizze ohne Sonderklasse

Die Prämie bleibt moderat, Ambulanzbesuche, Diagnostik und Therapien werden aber deutlich schneller und mit kleiner Eigenleistung abgewickelt.

Ein Spitalsaufenthalt wäre Ihnen die Ruhe und die freie Arztwahl wert

Sonderklasse-Polizze, gegebenenfalls mit Selbstbehalt

Einbettzimmer, Primar- und Oberarzt-Behandlung sind die klassischen Vorteile. Mit Selbstbehalt sinkt die Monatsprämie spürbar.

Sie möchten durchgängig komfortable Versorgung für sich und die Familie

Kombipaket aus Sonderklasse, Wahlarzt und Zahn

Vollpaket, das die meisten Versorgungslücken schließt. Entsprechend höher ist die Prämie, bei frühem Abschluss aber lebenslang günstiger als später.

Anbieter privater Krankenversicherung in Österreich

Der österreichische Markt wird von einer Handvoll Versicherer dominiert. Die Auswahl folgt keiner Rangordnung, sondern ist alphabetisch:

Allianz Österreich

Breite Tarifauswahl, starkes Wahlarzt-Angebot, Vertragsspitäler europaweit.

Donau Versicherung

Fokus auf Kombipakete mit Sonderklasse und Ambulanz-Bausteinen.

Generali Österreich

Modulare Tarifstruktur, starke Zahn- und Vorsorgeleistungen.

Grawe

Klassische Sonderklasse-Polizzen mit und ohne Selbstbehalt, österreichische Vertragskliniken.

Merkur Versicherung

Ausgeprägter Gesundheits- und Vorsorgefokus, breite Zusatzbausteine.

Muki

Kleiner Spezialversicherer mit schlanken Tarifen, historisch aus dem Mukoviszidose-Umfeld.

UNIQA

Größter privater Krankenversicherer des Landes, MedUni-Kooperationen, VitalClub als Zusatzprogramm.

Wiener Städtische

Etablierte Sonderklasse-Tarife, vier Plan-Abstufungen, starke Vertragsspitäler-Liste.

UNIQA und Merkur im direkten Leistungscheck

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Empfehlung einzelner Anbieter dar.

Welche Faktoren beeinflussen Ihre Prämie?

Die Prämie setzt sich aus einer Handvoll Stellschrauben zusammen. Wer diese kennt, kann den Tarif bewusst anpassen:

Einstiegsalter

Je früher Sie abschließen, desto günstiger bleibt die Polizze lebenslang. Für Kinder gelten besonders niedrige Prämien, viele Eltern nutzen daher die Baby-Option.

Gesundheitsfragen

Vor Abschluss müssen Sie Vorerkrankungen angeben. Je nach Befund sind Risikozuschläge, Ausschlüsse oder in seltenen Fällen eine Ablehnung möglich.

Leistungsumfang

Zwei- oder Einbettzimmer, 75 oder 100 Prozent Wahlarzt-Erstattung, Auslandsschutz oder nicht: Jedes Modul hebt die Prämie. Ein ehrlicher Blick auf den eigenen Bedarf hilft.

Selbstbehalt

Wer pro Spitalstag oder pro Jahr einen Selbstbehalt akzeptiert, zahlt monatlich deutlich weniger. Rechnen Sie den Break-Even mit Ihrer erwarteten Inanspruchnahme durch.

Familie oder Einzelperson

Paar- und Familientarife sind oft günstiger als zwei Einzelpolizzen. Kinder werden meist zu Vorzugskonditionen mitaufgenommen.

Selbstbehalt bei Sonderklasse: Lohnt sich das?

Für wen lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Eine Zusatzversicherung ist kein Muss. Bestimmte Lebensphasen und Berufsgruppen profitieren allerdings deutlich stärker als andere:

Junge Familien mit Kindern

Die Baby-Option ermöglicht eine Aufnahme ohne Gesundheitsfragen direkt nach der Geburt. Prämien für Kinder liegen im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat.

Baby-Option in der Schwangerschaft

Selbstständige und Freiberufler

SVS-Versicherte haben teils lange Wartezeiten bei Fachärzten. Eine Wahlarzt-Polizze schafft Planbarkeit, die Prämien sind als Betriebsausgabe oft anteilig abzugsfähig.

Krankenversicherung für Selbstständige

Menschen ab 40 oder 50

Je später der Einstieg, desto höher die Prämie und je strenger die Gesundheitsprüfung. Wer den Abschluss länger hinauszögert, zahlt lebenslang mehr.

Krankenversicherung ab 50

Studierende und Berufseinsteiger

Frühe Polizzen sind günstig und sichern das gute Gesundheitsbild als Einstiegsvoraussetzung. Mitversicherung bei Eltern ist oft länger möglich als gedacht.

Studenten-Krankenversicherung

So schließen Sie eine private Krankenversicherung ab

  1. 1

    Bedarf klären

    Notieren Sie, welche Versorgungslücken Sie schließen wollen: Einbettzimmer, Wahlarzt-Erstattung, Zahnleistungen, Auslandsschutz.

  2. 2

    Tarife recherchieren

    Nutzen Sie einen unabhängigen Tarifrechner. durchblicker.at deckt den österreichischen Markt gut ab, die Arbeiterkammer (AK) bietet neutrale Einschätzungen.

  3. 3

    Gesundheitsfragen ehrlich beantworten

    Falsche oder lückenhafte Angaben können im Leistungsfall zur Leistungskürzung oder Kündigung führen. Zweifelsfälle lieber dokumentieren und dem Versicherer vorlegen.

  4. 4

    Polizze prüfen, dann abschließen

    Lesen Sie die Versicherungsbedingungen, insbesondere zu Wartezeiten, Leistungsausschlüssen, Kündigungsfristen und Laufzeit. Erst dann unterschreiben.

Versicherung später wechseln: Fristen und Stolpersteine

Häufige Fragen zur privaten Krankenversicherung

Ist eine private Krankenversicherung in Österreich sinnvoll?

Sinnvoll ist sie dort, wo die gesetzliche Versorgung spürbar an Grenzen stößt. Das gilt vor allem für kurze Facharzttermine, freie Arztwahl und Einbettzimmer im Spital. Wer damit nichts anfangen kann oder ausschließlich Kassenleistungen nutzt, braucht in der Regel keine Zusatzversicherung.

Was kostet eine private Krankenversicherung monatlich?

Für ein Kind starten Sonderklasse-Tarife bei rund 20 Euro pro Monat, für eine 40-jährige Person mit Sonderklasse und Wahlarzt liegt der Einstieg laut durchblicker.at-Marktdaten bei etwa 140 Euro. Eine belastbare Prämie liefert erst eine individuelle Risikoprüfung.

Worin unterscheidet sich die Sonderklasse von der Wahlarzt-Versicherung?

Die Sonderklasse betrifft den stationären Aufenthalt: Einbettzimmer, freie Spitalswahl, Behandlung durch Primararzt oder Oberarzt. Die Wahlarzt-Polizze deckt dagegen Honorare im ambulanten Bereich für Ärzte ohne Kassenvertrag. Beide Leistungen lassen sich auch kombinieren.

Kann ich als ÖGK-Versicherter zu einem Wahlarzt gehen?

Ja. Die ÖGK erstattet in der Regel rund 80 Prozent des Kassentarifs, das Wahlarzt-Honorar liegt aber meist deutlich darüber. Ohne Zusatzversicherung bleibt der Restbetrag an Ihnen hängen. Eine Wahlarzt-Polizze reduziert genau diese Lücke.

Ab welchem Alter lohnt sich der Abschluss?

Je früher, desto günstiger. Für Kinder können Eltern die Baby-Option nutzen und so eine spätere Gesundheitsprüfung vermeiden. Ein Einstieg in den Zwanzigern ist deutlich günstiger als in den Vierzigern. Nach dem fünfzigsten Lebensjahr wird es spürbar teurer.

Ist die Prämie steuerlich absetzbar?

Seit der Steuerreform 2021 sind private Krankenversicherungsprämien für Angestellte nicht mehr als Sonderausgaben absetzbar. Selbstständige können den Beitrag zur gesetzlichen Versicherung absetzen, private Zusatzversicherungen nur in Ausnahmefällen. Details dazu im Ratgeber zum Absetzen.

Was gilt für Ausländer und Expats in Österreich?

Wer in Österreich arbeitet, ist automatisch bei der ÖGK, BVAEB oder SVS pflichtversichert. Eine Zusatzversicherung ist für Expats oft interessant, weil internationaler Schutz und freie Arztwahl zu den wichtigsten Anliegen gehören. Einige Versicherer bieten englischsprachige Vertragsbedingungen.

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Stand April 2026. Preise, Bedingungen und Leistungen können sich ändern. Eine verbindliche Prämie erhalten Sie erst nach Abschluss der individuellen Gesundheitsprüfung.