Direkte Antwort: Brauche ich eine private Krankenversicherung in Österreich?
Eine private Krankenversicherung in Österreich ist eine freiwillige Zusatzpolizze, die oben auf die gesetzliche Pflichtversicherung (ÖGK, BVAEB oder SVS) gelegt wird. Sie schließt Lücken bei Wartezeiten, Spitalsklasse und Wahlarzt-Honoraren. Notwendig ist sie nicht, sinnvoll wird sie vor allem für Personen, die freie Arzt- und Spitalswahl, Einbettzimmer im Spital oder kürzere Facharzttermine wollen. Monatsprämien starten laut durchblicker.at-Tarifrechner bei rund 20 Euro für Kinder und liegen bei einer 40-jährigen Person mit Sonderklasse plus Wahlarzt im Bereich von 140 Euro.
Auf einen Blick
- ›Pflicht ist die gesetzliche Sozialversicherung (ÖGK, BVAEB, SVS), privat ist freiwillig.
- ›Drei Bausteine dominieren: Sonderklasse im Spital, Wahlarzt-Erstattung, Zusatzbausteine (Zahn, Psychotherapie, Auslandsreise).
- ›Prämien hängen an Einstiegsalter, Gesundheitsfragen und Selbstbehalt. Früh abschließen senkt die Lebenszeitprämie.
- ›Steuerlich nur in Sonderfällen absetzbar, seit der Steuerreform 2021 für Angestellte regulär nicht mehr als Sonderausgabe.
- ›Aufsicht: Finanzmarktaufsicht (FMA). Versichererverband: VVO. Konsumentenschutz: AK und VKI.
Worum es in diesem Ratgeber geht
Die gesetzliche Sozialversicherung deckt in Österreich die medizinische Grundversorgung ab. Wer kürzere Wartezeiten, freie Arzt- und Spitalswahl oder ein Einbettzimmer will, stößt aber schnell an deren Grenzen. Genau hier greift die private Krankenversicherung, oft schlicht Zusatzversicherung genannt.
In diesem Ratgeber erklären wir, wie sie funktioniert, welche Leistungen eine Sonderklasse-, Wahlarzt- und Privatarzt-Polizze wirklich bringt, mit welchen monatlichen Beiträgen Sie realistisch rechnen müssen und für wen sich ein Abschluss lohnt. Wir sind ein unabhängiges Ratgeberportal und betreiben selbst keinen Tarifrechner. Den Rechner finden Sie bei unserem Partner durchblicker.at (Werbehinweis siehe oben).
- Privat ergänzt die Pflichtversicherung, ersetzt sie nicht.
- Einbettzimmer, Wahlarzt-Erstattung und Zahnleistungen sind die häufigsten Bausteine.
- Die Prämie hängt stark von Alter, Gesundheitszustand und gewähltem Selbstbehalt ab.
Gesetzliche und private Krankenversicherung im Überblick
Die ÖGK, BVAEB und SVS decken das medizinisch Notwendige ab. Eine Zusatzversicherung setzt oben drauf. So unterscheiden sich die beiden Welten in der Praxis:
Gesetzliche Versicherung (ÖGK, BVAEB, SVS)
- •Pflichtversicherung, automatisch mit Beschäftigung oder Selbstständigkeit verbunden
- •Grundversorgung bei Kassenärzten und öffentlichen Spitälern
- •Mehrbettzimmer bei stationärem Aufenthalt
- •Termine bei Fachärzten oft mit Wartezeit
- •E-Card-System, Selbstbehalte nur bei SVS und bestimmten Leistungen
Private Zusatzversicherung
- Freiwilliger Abschluss, jederzeit kündbar laut Polizzenbedingungen
- Sonderklasse: Einbettzimmer und freie Spitalswahl
- Wahlarzt-Honorar zu einem höheren Prozentsatz gedeckt
- Kürzere Wartezeiten, oft direkte Terminvereinbarung
- Zusatzbausteine für Zahn, Optik oder Alternativmedizin möglich
Eine Zusatzversicherung ist kein Ersatz für die Pflichtversicherung. Sie ist eine Ergänzung für Menschen, die sich mehr Komfort, schnelleren Zugang oder eine breitere Leistungsbasis wünschen.
Welche Arten der privaten Krankenversicherung gibt es?
Die österreichischen Versicherer bieten im Kern drei Bausteine an. Die meisten Polizzen kombinieren zwei oder drei davon:
Sonderklasse im Spital
Deckt das Einbettzimmer, die freie Wahl des Spitals und die Behandlung durch den Primar- oder Oberarzt im stationären Bereich.
- ›Einbett- oder Zweibettzimmer statt Allgemeinklasse
- ›Österreichweite Spitalswahl, oft auch europaweit
- ›Mit oder ohne Selbstbehalt wählbar
Wahlarzt- und Privatarzt-Polizze
Erstattet Honorare für Ärztinnen und Ärzte ohne Kassenvertrag. Der Zugang zu Fachärzten wird schneller, die Restkosten nach ÖGK-Erstattung werden kleiner.
- ›Meist 75 bis 100 Prozent des Kassentarifs zusätzlich zur ÖGK-Rückerstattung
- ›Oft inklusive Ambulanz, Psychotherapie, Ergotherapie und Heilbehelfen
- ›Bei manchen Tarifen weltweiter Schutz im Auslandsaufenthalt
Zusatzbausteine
Ergänzende Leistungen wie Zahnersatz, Sehbehelfe, Kur und Rehabilitation oder Alternativmedizin. Meist buchbar als Module zur Haupt-Polizze.
- ›Zahn: Zuschuss zu Zahnersatz, Kieferorthopädie, Prophylaxe
- ›Psychotherapie und Psychologie jenseits der ÖGK-Zuschüsse
- ›Auslandsreise-Krankenschutz mit Rücktransport
Was kostet eine private Krankenversicherung in Österreich?
Eine seriöse Pauschalaussage ist unmöglich. Beiträge hängen an Einstiegsalter, Gesundheitsfragen, Selbstbehalt und Leistungsumfang. Die folgenden Richtwerte stammen aus öffentlich zugänglichen Tarifrechnern von durchblicker.at und der VKI-Marktanalyse und sind als grobe Orientierung zu verstehen:
| Einstiegsalter | Nur Sonderklasse (ohne Selbstbehalt) | Sonderklasse + Wahlarzt | Vollpaket mit Zahn |
|---|---|---|---|
| 0 bis 5 Jahre | ab ~20 €/Monat | ab ~35 €/Monat | ab ~55 €/Monat |
| 25 Jahre | ab ~55 €/Monat | ab ~85 €/Monat | ab ~130 €/Monat |
| 40 Jahre | ab ~90 €/Monat | ab ~140 €/Monat | ab ~210 €/Monat |
| 55 Jahre | ab ~170 €/Monat | ab ~260 €/Monat | ab ~380 €/Monat |
Die konkrete Prämie erhalten Sie erst nach einer individuellen Risikoprüfung durch den Versicherer. Preise vom April 2026, Änderungen jederzeit möglich.
Kostenübersicht nach Alter und Tarif→Sonderklasse, Wahlarzt oder beides: Welche Lösung passt?
Welche Polizze für Sie sinnvoll ist, hängt davon ab, wo Sie den größten Nutzen erwarten. Die drei typischen Profile:
Sie planen selten stationäre Aufenthalte, wollen aber schneller zum Facharzt
Wahlarzt- oder Privatarzt-Polizze ohne Sonderklasse
Die Prämie bleibt moderat, Ambulanzbesuche, Diagnostik und Therapien werden aber deutlich schneller und mit kleiner Eigenleistung abgewickelt.
Ein Spitalsaufenthalt wäre Ihnen die Ruhe und die freie Arztwahl wert
Sonderklasse-Polizze, gegebenenfalls mit Selbstbehalt
Einbettzimmer, Primar- und Oberarzt-Behandlung sind die klassischen Vorteile. Mit Selbstbehalt sinkt die Monatsprämie spürbar.
Sie möchten durchgängig komfortable Versorgung für sich und die Familie
Kombipaket aus Sonderklasse, Wahlarzt und Zahn
Vollpaket, das die meisten Versorgungslücken schließt. Entsprechend höher ist die Prämie, bei frühem Abschluss aber lebenslang günstiger als später.
Anbieter privater Krankenversicherung in Österreich
Der österreichische Markt wird von einer Handvoll Versicherer dominiert. Die Auswahl folgt keiner Rangordnung, sondern ist alphabetisch:
Allianz Österreich
Breite Tarifauswahl, starkes Wahlarzt-Angebot, Vertragsspitäler europaweit.
Donau Versicherung
Fokus auf Kombipakete mit Sonderklasse und Ambulanz-Bausteinen.
Generali Österreich
Modulare Tarifstruktur, starke Zahn- und Vorsorgeleistungen.
Grawe
Klassische Sonderklasse-Polizzen mit und ohne Selbstbehalt, österreichische Vertragskliniken.
Merkur Versicherung
Ausgeprägter Gesundheits- und Vorsorgefokus, breite Zusatzbausteine.
Muki
Kleiner Spezialversicherer mit schlanken Tarifen, historisch aus dem Mukoviszidose-Umfeld.
UNIQA
Größter privater Krankenversicherer des Landes, MedUni-Kooperationen, VitalClub als Zusatzprogramm.
Wiener Städtische
Etablierte Sonderklasse-Tarife, vier Plan-Abstufungen, starke Vertragsspitäler-Liste.
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine Empfehlung einzelner Anbieter dar.
Welche Faktoren beeinflussen Ihre Prämie?
Die Prämie setzt sich aus einer Handvoll Stellschrauben zusammen. Wer diese kennt, kann den Tarif bewusst anpassen:
Einstiegsalter
Je früher Sie abschließen, desto günstiger bleibt die Polizze lebenslang. Für Kinder gelten besonders niedrige Prämien, viele Eltern nutzen daher die Baby-Option.
Gesundheitsfragen
Vor Abschluss müssen Sie Vorerkrankungen angeben. Je nach Befund sind Risikozuschläge, Ausschlüsse oder in seltenen Fällen eine Ablehnung möglich.
Leistungsumfang
Zwei- oder Einbettzimmer, 75 oder 100 Prozent Wahlarzt-Erstattung, Auslandsschutz oder nicht: Jedes Modul hebt die Prämie. Ein ehrlicher Blick auf den eigenen Bedarf hilft.
Selbstbehalt
Wer pro Spitalstag oder pro Jahr einen Selbstbehalt akzeptiert, zahlt monatlich deutlich weniger. Rechnen Sie den Break-Even mit Ihrer erwarteten Inanspruchnahme durch.
Familie oder Einzelperson
Paar- und Familientarife sind oft günstiger als zwei Einzelpolizzen. Kinder werden meist zu Vorzugskonditionen mitaufgenommen.
Für wen lohnt sich eine private Krankenversicherung?
Eine Zusatzversicherung ist kein Muss. Bestimmte Lebensphasen und Berufsgruppen profitieren allerdings deutlich stärker als andere:
Junge Familien mit Kindern
Die Baby-Option ermöglicht eine Aufnahme ohne Gesundheitsfragen direkt nach der Geburt. Prämien für Kinder liegen im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat.
Baby-Option in der Schwangerschaft →Selbstständige und Freiberufler
SVS-Versicherte haben teils lange Wartezeiten bei Fachärzten. Eine Wahlarzt-Polizze schafft Planbarkeit, die Prämien sind als Betriebsausgabe oft anteilig abzugsfähig.
Krankenversicherung für Selbstständige →Menschen ab 40 oder 50
Je später der Einstieg, desto höher die Prämie und je strenger die Gesundheitsprüfung. Wer den Abschluss länger hinauszögert, zahlt lebenslang mehr.
Krankenversicherung ab 50 →Studierende und Berufseinsteiger
Frühe Polizzen sind günstig und sichern das gute Gesundheitsbild als Einstiegsvoraussetzung. Mitversicherung bei Eltern ist oft länger möglich als gedacht.
Studenten-Krankenversicherung →So schließen Sie eine private Krankenversicherung ab
- 1
Bedarf klären
Notieren Sie, welche Versorgungslücken Sie schließen wollen: Einbettzimmer, Wahlarzt-Erstattung, Zahnleistungen, Auslandsschutz.
- 2
Tarife recherchieren
Nutzen Sie einen unabhängigen Tarifrechner. durchblicker.at deckt den österreichischen Markt gut ab, die Arbeiterkammer (AK) bietet neutrale Einschätzungen.
- 3
Gesundheitsfragen ehrlich beantworten
Falsche oder lückenhafte Angaben können im Leistungsfall zur Leistungskürzung oder Kündigung führen. Zweifelsfälle lieber dokumentieren und dem Versicherer vorlegen.
- 4
Polizze prüfen, dann abschließen
Lesen Sie die Versicherungsbedingungen, insbesondere zu Wartezeiten, Leistungsausschlüssen, Kündigungsfristen und Laufzeit. Erst dann unterschreiben.
Häufige Fragen zur privaten Krankenversicherung
Ist eine private Krankenversicherung in Österreich sinnvoll?
Sinnvoll ist sie dort, wo die gesetzliche Versorgung spürbar an Grenzen stößt. Das gilt vor allem für kurze Facharzttermine, freie Arztwahl und Einbettzimmer im Spital. Wer damit nichts anfangen kann oder ausschließlich Kassenleistungen nutzt, braucht in der Regel keine Zusatzversicherung.
Was kostet eine private Krankenversicherung monatlich?
Für ein Kind starten Sonderklasse-Tarife bei rund 20 Euro pro Monat, für eine 40-jährige Person mit Sonderklasse und Wahlarzt liegt der Einstieg laut durchblicker.at-Marktdaten bei etwa 140 Euro. Eine belastbare Prämie liefert erst eine individuelle Risikoprüfung.
Worin unterscheidet sich die Sonderklasse von der Wahlarzt-Versicherung?
Die Sonderklasse betrifft den stationären Aufenthalt: Einbettzimmer, freie Spitalswahl, Behandlung durch Primararzt oder Oberarzt. Die Wahlarzt-Polizze deckt dagegen Honorare im ambulanten Bereich für Ärzte ohne Kassenvertrag. Beide Leistungen lassen sich auch kombinieren.
Kann ich als ÖGK-Versicherter zu einem Wahlarzt gehen?
Ja. Die ÖGK erstattet in der Regel rund 80 Prozent des Kassentarifs, das Wahlarzt-Honorar liegt aber meist deutlich darüber. Ohne Zusatzversicherung bleibt der Restbetrag an Ihnen hängen. Eine Wahlarzt-Polizze reduziert genau diese Lücke.
Ab welchem Alter lohnt sich der Abschluss?
Je früher, desto günstiger. Für Kinder können Eltern die Baby-Option nutzen und so eine spätere Gesundheitsprüfung vermeiden. Ein Einstieg in den Zwanzigern ist deutlich günstiger als in den Vierzigern. Nach dem fünfzigsten Lebensjahr wird es spürbar teurer.
Ist die Prämie steuerlich absetzbar?
Seit der Steuerreform 2021 sind private Krankenversicherungsprämien für Angestellte nicht mehr als Sonderausgaben absetzbar. Selbstständige können den Beitrag zur gesetzlichen Versicherung absetzen, private Zusatzversicherungen nur in Ausnahmefällen. Details dazu im Ratgeber zum Absetzen.
Was gilt für Ausländer und Expats in Österreich?
Wer in Österreich arbeitet, ist automatisch bei der ÖGK, BVAEB oder SVS pflichtversichert. Eine Zusatzversicherung ist für Expats oft interessant, weil internationaler Schutz und freie Arztwahl zu den wichtigsten Anliegen gehören. Einige Versicherer bieten englischsprachige Vertragsbedingungen.
Alle Ratgeber zur Krankenversicherung in Österreich
Spezialthemen und Detailfragen in unserer Ratgeber-Sammlung
Offizielle Quellen und Aufsicht
Wer eine private Krankenversicherung in Österreich abschließt, sollte die wichtigsten offiziellen Stellen kennen. Sie sind die verbindliche Auskunft, wenn Tarifrechner oder Werbeaussagen unklar bleiben:
Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)
Die größte gesetzliche Krankenversicherung des Landes. Zuständig für die meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Dachverband der Sozialversicherungsträger
Koordiniert ÖGK, BVAEB, SVS und PVA. Gibt zentrale Versorgungsdaten und Honorarordnungen heraus.
BVAEB
Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau. Eigene Tarife und Vertragspartner.
SVS
Sozialversicherung der Selbständigen. Wichtig für GSVG- und FSVG-Versicherte mit Selbstbehalt-Regelungen.
Finanzmarktaufsicht (FMA)
Aufsicht über alle in Österreich tätigen Versicherer. Veröffentlicht Versichererliste und Beschwerdestellen.
Versicherungsverband Österreich (VVO)
Branchenverband der österreichischen Versicherer. Statistiken zur Krankenversicherung und Branchenpositionen.
Arbeiterkammer (AK)
Konsumentenschutz und neutrale Bewertungen zu privaten Zusatzversicherungen, inkl. Klagsbeispielen.
Rechtliche Grundlagen: Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG), Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz (GSVG), Versicherungsvertragsgesetz (VersVG) und Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG). Detailfragen klären Versicherer und FMA.
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